Foto: Anne Carolien Kîhler

Foto: Anne Carolien Kîhler

Wenngleich Wolf Down 2013 bereits ihr Debütalbum „Stray from the Path” veröffentlichten, kann man durchaus sagen, dass sie nun – drei Jahre später – einen Neuanfang unternehmen. Sängerin Larissa ist nicht mehr Teil der Band und mit Dave an der Frontmann-Position gab es auch einen gewissen Wechsel im Stil, die sicherlich auch stimmenbedingt ist. „Incite & Conspire” heißt das neue Album, mit dem sie den Erfolg, den sie bisher in der europäischen Hardcore-Szene hatten, bestätigen wollen.

Wolf Down - Incite & Conspire

Bereits im Vorfeld gab es die Songs „True Deceivers” sowie die titelgebenden Tracks „Incite” und „Conspire” zu hören, die definitiv zum besten gehören, was ich in den letzten Jahren aus dem Hardcore-Bereich hören konnte. Die herausragende Qualität dieser Songs stachelt natürlich in Richtung Album an.

Das Album beginnt mit „Barricade Fever”, einer kurzen Einleitung, die die Stimmung der kommenden Stücke schonmal vorbereiten soll. Hier gibt es lediglich Trompetentöne und Gruppengesang im 40er-Jahre-Stil zu hören, allerdings weiß man sofort, worauf die Band damit anspielen will. Insofern ist die Einleitung durchaus mal etwas anderes, aber gelungen, weil eben sehr kurz und einbrennend. Anschließend geht es zum ersten Mal richtig an die Sache: „Against the Grain” beginnt mit schlagkräftigen Gitarrenriffs und treibendem Drumming. Textlich ruft die Band dazu auf, dass man sich nicht unterkriegen lassen und weiterhin für seine (linken) Ideale kämpfen soll. Das gesamte Album behandelt solche und ähnliche Themen, sodass der erste Track eine gute Richtungsweisung dahin ist, wohin die Reise gehen soll.

Forever against the grain
Life is more than just a pulse
What we strive for is change
Nothing will ever stay the same
The middle of the road is paved with ignorance and apathy
The weariness of this world won’t get the best of me

Wolf Down – Against the Grain

Auf die Bremse wird im Verlaufe von „Incite & Conspire” nur sehr selten gedrückt – wenn überhaupt, dann für das ein oder andere Intro, in dem gehörig Atmosphäre und Spannung aufgebaut wird. Das beste Beispiel ist „Incite”, einer der beiden titelgebenden Tracks. Ambient-Sounds und geheimnisvolles Gitarrenspiel lassen die Gefahr erahnen, die auf einen wartet, bis der Song dann plötzlich an Fahrt aufnimmt und in einem kraftvollen Midtempo-Song endet.

„Incite & Conspire” kennt dabei nur eine Richtung: Nach vorne! Mit dem Kopf! Durch die Wand! Frontmann Dave feiert dabei einen hervorragenden Album-Einstand: Auch beim Shouten sind seine Worte immer klar verständlich, was die Wichtigkeit der Texte weiter in den Vordergrund bringt. Hier spielt keine kopflose Band; stattdessen ist Wolf Down eine Gruppe, die etwas zu sagen hat! Ob es sich hier nun um deutliche Kritik an religiösen Gruppen handelt, wie in „True Deceivers” oder um die Aufforderung, füreinander geradezustehen und gegen Unterdrückung anzugehen, wie in „Torch of Reason” – die Themen sind mannigfaltig innerhalb dieses Kosmos und treffen einen immer genau da, wo die Wirkung am Größten ist. Gleichzeitig vermeiden sie es hierbei auch, stumpfsinnige Parolen zu nutzen, deren Wirkung bei weitem nicht so kraftvoll wäre.

Taking the ght to a whole new level
Justice enforced for those without a voice
No longer will we sit and
Watch the weak suppressed
It’s time for change

Wolf Down – Torch of Reason

Zum Abschluss des Albums bedient sich die Band noch einmal kurz an der Atmosphäre-Truhe”: The Fortress beginnt mit einer mörderischen Bassline! Irgendwie bedächtig, irgendwie bedrohlich, aber absolut einfangend! Mit einem großen Bang verabschieden sich Wolf Down aus „Incite & Conspire”, ein anschließend eingespielter Country-Track zeigt den Mittelfinger noch ein letztes Mal in Richtung Faschismus: „All you fascists bound to lose”.

Hardcore, weit weg von Stumpfsinn

Wolf Down haben mit „Incite & Conspire” ein gleichermaßen energisches und kraftvolles, wie auch wütendes und kluges Album herausgebracht. Die innere Wut, die den Hardcore ja irgendwie auch ausmacht, ist an jeder Ecke klar zu verspüren. Gleichzeitig schaffen sie es, bekannte Klischees des Genres erfolgreich zu umschiffen, um auch gerade deswegen umso authentischer zu klingen.

Insgesamt gehört „Incite & Conspire” wohl zum besten, was ich in den letzten Jahren aus dem Hardcore-Bereich gehört habe. Der DIY-Charakter der Hardcore-Szene ist spürbar vorhanden, zudem besitzt es eine gewisse Zugänglichkeit (vor allem wegen der klar verständlichen Shouter-Stimme), ohne weichgespült zu klingen. Diesen Spagat schaffen nicht viele Bands und so werden Wolf Down ihre Szene-Popularität eindeutig weitertragen können.

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