Stick To Your Guns 01

In den letzten Wochen rollte der Hardcore-Zug durch halb Europa, denn Stick To Your Guns waren unterwegs auf Europa-Tour. Mit dabei waren mit Wolf Down, Counterparts und Stick To Your Guns drei weitere Bands des Hardcore-Genres – ein Fest also für jeden HC-Fan! Den vorletzten Stop legten sie in der Oberhausener Turbinenhalle ein und sowohl der, als auch den Fans wurde ordentlich eingeheizt!

Wolf Down: Die Hardcore-Band der Stunde

Wolf Down 01

Die erste Band des Abends waren Wolf Down, die ein Heimspiel feierten. Im Februar veröffentlichten sie erst ihr zweites Album „Incite & Conspire“, welches unheimlich stark ist. Diese Aggressivität und Entschlossenheit setzten sie auch genauso auf der Bühne um. Daves wütendes Shouting setzte der Menge ordentlich zu, die praktisch direkt nach dem öffnenden „Barricade Fever“ anfing, in Circle Pits und Moshpits zu tanzen.

Wolf Down 02Als offen linksradikale Band machten sie keinen Hehl um ihre Ansichten: Homophobie, Faschismus, Sexismus, Religionen und derlei Dinge haben bei ihnen absolut keinen Platz und Dave machte klar, dass er dafür dankbar sei, vor Jahren im Hardcore eine Szene gefunden zu haben, in der das der Fall ist.

Selten habe ich in den letzten Jahren eine Support-Band gesehen, die die Menge derart zum Toben brachte und die Konzertlaune direkt nach oben trieb. Mit „Incite“, „Conspire“ und „True Deceivers“ beendeten sie ihr halbstündiges Set mit den drei aktuellsten Single-Auskopplungen, die sehr stilvoll und atmosphärisch umgesetzt wurden. Spätestens jetzt dürfte jedem Besucher klar gewesen sein, dass man diese Band auf dem Radar haben muss.

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Counterparts: Überzeugend trotz personeller Schwächung

Counterparts

Im Anschluss an Wolf Down folgte mit Counterparts die zweite Support-Band des Abends. Nach dem Hardcore-Punk der Opener folgte also Melodic-Hardcore, allerdings in geschwächter Besetzung, denn Gitarrist Jesse Doreen musste die Tour aus privaten Gründen abbrechen und zurück nach Kanada fliegen. Trotzdem wusste die Band auch zu viert zu beeindrucken. Kräftige, melodische Hardcore-Rhythmen und das starke Shouting von Brendan Murphy ließen zu keinem Zeitpunkt eine Lead-Ebene im Sound vermissen.

Auch das Publikum machte dort weiter, wo es nach Wolf Down aufhörte: Die großartige Freitagslaune war praktisch jedem anzumerken. Auch Counterparts beendeten ihr Set nach ca. 30 Minuten und zum wiederholten Male fragt man sich: „Wie, schon zu Ende?“.

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Stray From The Path: Experimenteller Hardcore-Punk

Stray From The Path

Etwas länger spielten dann Stray From The Path, mit denen wir uns wieder beim klassischen Hardcore-Punk befanden. Im direkten Vergleich mit den anderen Bands konnten sie mit dem besten Sound am Abend glänzen, was sicherlich auch daran lag, dass das Gitarrenspiel von Thomas Williams sehr viel mehr Platz zur Entfaltung im Gesamtsound bekam.

Überhaupt hat mich die Art und Weise, wie Williams an jenes Gitarrenspiel herangeht, sehr beeindruckt. Wiederholt arbeitet er mit einer Loop-Machine, wie zum Beispiel bei „The New Gods“. So nimmt er zunächst Lead-Parts auf, lässt diese loopen und setzt dann den Rhythmus-Part darunter. Man konnte direkt mit ansehen, wie sich die Songs ebenenweise aufbauen, was ich immer sehr cool finde.

Frontmann Drew York fällt zudem mit viel Charisma und Bühnenpräsenz auf. Wie ein Wiesel rennt er in Halbkreisen über die Bühne. Während des Sets nahm er sich zudem die Zeit, um nochmal auf die Ereignisse rund um die Pariser Anschläge beim Konzert der Eagles of Death Metal zu erinnern, wobei er im gleichen Zuge der Crowd dankte, dass sie trotz dieses schrecklichen Ereignisses ihr Leben weiterleben und weiterhin Konzerte besuchen. Als er dann noch in die Crowd stieg und auf ihren Händen stand, war die Menge endgültig dort, wo die Band sie haben wollte!

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Stick To Your Guns: Zum krönenden Abschluss

Jesse Barnett spielt „Left Behind“ alleine

Jesse Barnett spielt „Left You Behind“ alleine

Nach Stray From The Path blieb nur noch das Highlight des Abends: Stick To Your Guns! Die Band spielte eine Stunde lang und wurde ihrer Rolle ebenfalls mehr als gerecht. Vom ersten bis zum letzten Song wurde Vollgas gegeben, zwischendurch nahm sich Sänger Jesse Barnett die Zeit, um darauf hinzuweisen, wie blödsinnig Nationalstolz sei. Auf die Frage „Bist Du stolz, Amerikaner zu sein?“ entgegne er demnach, dass er die Frage nicht verstehe, da es sich um puren Zufall handelt, dass er in den USA geboren wurde und man auf einen Zufall nicht Stolz sein könne. Auf derlei Dinge hinzuweisen ist natürlich besonders in der aktuellen Zeit wichtig, in der rechte Themen weltweit dominant sind.

Stick To Your Guns 02

Stick To Your Guns mit Wolf-Down-Sänger Dave

Starke Aussagen und ein starker Auftritt krönten also den ohnehin schon unheimlich guten Konzertabend in Oberhausen. Ein absolutes Highlight war definitiv „Left You Behind“ vom aktuellen Album „Disobedient“. Im Gegensatz zur Album-Version spielte Barnett den Song komplett alleine mit Gitarre. Die Atmosphäre war immens dicht und das stete Mitsingen der Crowd ließ Gänsehaut aufkommen. Zwischendurch kam auch Wolf-Down-Sänger Dave nochmal für ein Gastspiel auf die Bühne. Da brauchte es dann nach dem Set auch keine Zugabe mehr, denn nach vier so großartigen Bands waren die Konzertbesucher mehr als glücklich und zufrieden.

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Einer der besten Konzertabende des bisherigen Jahres

Stray From The Path: Drew York steht auf der Crowd

Stray From The Path: Drew York steht auf der Crowd

Für mich war dieser Abend zweifelsohne ein starkes Vorzeigebeispiel dafür, wie ein Hardcore-Konzert zu sein hat. Dadurch, dass vier Bands auftraten, blieb ein gewisses DIY-Feeling erhalten, wenngleich die Turbinenhalle durch die Größe von ca. 1.000 Besuchern das zunächst nicht vermuten lässt. Diese Atmosphäre macht insbesondere in diesem Musikbereich viel aus.

Jede der vier Bands war ein absoluter Volltreffer! Mit Wolf Down gab es die Hardcore-Band der Stunde zu sehen und mit Counterparts sowie Stray From The Path waren zwei gestandene Gruppen im weitergehenden Vorprogramm zu sehen – es war also für jeden bereits vor Stick To Your Guns etwas dabei und die Vielfalt, die Hardcore zu bieten hat, wurde ganz wunderbar gezeigt.

Ich für meinen Teil freunde mich derzeit mit meinem neuen Freund, dem Tinnitus, an, den ich beim Konzert kennenlernte und mich nun (noch?) begleitet. Das wiederum heißt vor allem: Der Abend hat sich mehr als nur gelohnt!