anorak.: Live im Logo, Hamburg

anorak. ist für mich eine der Bands des Jahres; nicht nur ihr Debütalbum „enthusiasts and collectors“ ist ein Riesending geworden, auch live wissen sie zu überzeugen – das habe ich im Mai im Oberhausener Druckluft sehen können.

Nun sind seitdem wieder einige Monate ins Land gezogen und die haben auch innerhalb der Band einige Veränderungen mit sich gezogen. In Personalunion betrifft das Gitarrist Marc-Joel, der die Band verlässt. Zuvor aber spielte er noch zwei Abschiedskonzerte mit der Gruppe – einerseits im Köner Gebäude 9, andererseits im Hamburger Logo. In beiden Fällen übernahmen sie dabei den Support für Young Guns aus Großbritannien. Umso erfreuter war ich darüber, dass ich es unverhoffterweise doch noch zum Konzert schaffte (eigentlich stand für diesen Tag seit längerem ein anderes Konzert auf dem Plan), um dieses Bandgefüge noch ein letztes Mal live auf der Bühne zu erleben.

anorak. ein letztes Mal in Originalbesetzung

anorak.: Live im Logo, Hamburg

anorak. kommen gegen 20 Uhr auf die Bühne. Das Publikum ist zu dem Zeitpunkt noch recht zurückgenommen, wissen sie doch nicht, was sie da gleich erwarten wird. Das Set beginnt mit einem langgezogenen und atmosphärischen Intro, bevor es mit „the calm“ so richtig losgeht. Frontmann Philipp ist direkt in seinem Element und schreit sich die Seele aus dem Leib, die Band lässt zudem einen brechenden Sound auf die Zuschauer los.

anorak.: Live im Logo, Hamburg

Das kommt nach und nach immer besser an. Die Crowd merkt, dass da fünf Mann auf der Bühne stehen, die ihr Handwerk verstehen und zudem sehr eigene und gerade deswegen so interessante Musik spielen.

Zwischendurch gibt es dann immer wieder Ansprachen. Zwei Stücke vor dem Ende des Sets spricht Philipp es dann an: Es ist das letzte Konzert der Band mit Marc-Joel. Im lauten Applaus der Crowd lässt er sich ein letztes Mal feiern, dann geht es in den Endspurt mit „forlone/desolate/alone“. Dann ist es auch schon vorbei. Ein umso intensiveres letztes Konzert, bei dem die Band nochmals besser aufspielt, als damals in Oberhausen ohnehin schon.

Ich verbringe noch einen Großteil des restlichen Abends mit der Band. Schnacken, trinken, Spaß haben. Irgendwann verabschiedet sich Marc-Joel dann, er müsse zum Fernbus gen Düsseldorf. Ich will es nicht überstilisieren, aber es hat etwas symbolisches: Im Stillen ohne großes Brimborium verabschiedet er sich und geht eben seines Weges. Ein kurzer Schauer läuft mir über den Rücken. Danke, dass Du bei anorak. mitgewirkt hast!

Young Guns werden von den Fans umjubelt

Young Guns: Live im Logo, Hamburg

Nach dem Warm-up mit anorak. und der anschließenden Umbaupause betreten dann Young Guns die Bühne – unter riesigem Applaus und Geschrei, wie sich versteht. Die Band existiert schließlich seit 2003 und hat sich in all den Jahren ganz offensichtlich eine treue Fangemeinschaft erspielt.

Young Guns: Live im Logo, Hamburg

Sie sind mit ihrem aktuellen Album „Echoes“ auf Tour, in Deutschland spielten sie dabei lediglich die Konzerte in Köln und Hamburg. Das Set wird mit „Rising Up“ und „Bulletproof“ gestartet, die Crowd ist sofort Feuer und Flamme. Sänger Gustav Wood bemerkt die ekstatische Stimmung im (übrigens recht jungen) Publikum und zeigt sich sehr dankbar dafür – man nimmt es ihm irgendwie ab, dass er das tatsächlich so meint, wenngleich er den Pathos-Topf durchaus bis auf den letzten Tropfen leert.

Young Guns: Live im Logo, Hamburg

Aber egal: Die Crowd hat Bock, die Band auch. Rund eine Stunde lang geht es rund, der Fokus des Sets lag selbstverständlich auf den neuen Songs – beispielsweise mit „Paranoid“, „Awakening“ und „Mad World“. Irgendwann werden einige Fans auf die Bühne geholt, die Ekstase ist perfekt.

Ich für meinen Teil bekomme das nur peripher mit, trinke ich mir währenddessen doch einen mit anorak., was auch daran liegt, dass mich die Musik der Young Guns überhaupt nicht fesselt – eher im Gegenteil. Aber: Ist doch egal, bin ja nur ich. Die Konzertbesucher und die Band sollen ihren Spaß miteinander haben und den hatten sie definitiv.

[asa]B01IFRTV5Y[/asa]