Freitag, der 13. Februar, wir befinden uns im schlimmsten Teil der Karnevalssaison und 24 Stunden vorm Valentinstag. Dass sich Zugezogen Maskulin für den Release ihres Albums einen dreizehnten Freitag inmitten des Spaßgesellschaftshöhepunkts und des industriegeborenen Schmusefeiertags, die man beide ihrer Texte nach zu urteilen zu Feindbildern zählen dürfte, ausgesucht haben, ist sicher nicht bloß Zufall.

Der mit seiner zuletzt veröffentlichten Solo-EP zu mittelgroßem Ruhm gekommene grim104 hat sich für „Alles brennt“ wieder seinen Partner Testo mit ans Mic geholt, um aufzubrechen in einen scheinbar hoffnungslosen Krieg. Die Welt geht vor die Hunde, das ist für die beiden nach Berlin Zugezogenen längst klar. Den Zerfall lyrisch zu bebildern gelang ihnen schon auf früheren Releases in beispielhafter Art und Weise. Und immer wieder versuchen sie es dann doch wieder, die Zustände nicht nur darzustellen, sondern auch anzuprangern und anzugreifen. Zugezogen Maskulin haben eine große Ladung Hass im Gucci-Bauch und nennen die Feinde beim Namen – oft selbst in ihre Rolle versetzt, meist von Zynismus durchtränkt und immer irgendwo zwischen Kryptik und gehobenem Zeigefinger.

Ich trinke nur Coca Cola – Gewerkschafterblut! Es gibt nichts Richtiges im Falschen, deshalb schmeckt’s mir auch so gut.

Wenn grim104s oft bei hohen Tönen brechende Stimme sich über düstere Bass-Bretter und kalt krachende Drums legt, hat das schon etwas sehr Beunruhigendes an sich. Genau das scheinen ZM mit ihrem ersten offiziell veröffentlichten Album wohl auch bezwecken: Eine Unruhe in den Köpfen der Nation schaffen – oder doch eher den Blick auf die schon bestehenden Unruhen und Unarten richten. Als stimmlicher Gegenpol zum beinahe kreischenden grim104 gibt auch der stoischere Testo die Sicht frei auf Abgründe der Gesellschaft:

Guck‘ mal wie der Penner kotzt – Instagramfoto! Wallah Brudi, läuft bei ihm, Hahahahoho! Ey, lass‘ mal anziehen wie ein Assi – Streetwear und so!

„Alles brennt“ ist ein trap-lastiger Tanz auf dem Vulkan, mit dem die beiden politisch motivierten Rapper ordentlich Feuer legen: In den Gedankengängen ihrer Hörer, der Welt um sie herum und nicht zuletzt auch bei sich selbst:

Ich mach‘ kaputt, was mich kaputt macht… Mich selber.

Eine beeindruckende Platte, die es so in der hiesigen Hip-Hop-Szene sicher noch nicht gegeben hat.

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Foto: Philipp Gladsome