Gerade sah ich mir zum ersten Mal das neue Video von Zugezogen Maskulin an und überlegte mir schon, wie schön man diesen Artikel mit einem K.I.Z.-Vergleich bereichern könnte. Da rappte Testo mir etwas vom „Biergarten Eden“ ins Ohr und nahm mir damit diese schöne, passende Gegenüberstellung vorweg. Chapeau – in Berlin geht man offenbar offen mit Inspirationsquellen um. Und ganz offen gehen die Zugezogenen auch schon seit Längerem damit um, dass sie „Eure Führer“ sind und – man hätte das vorhersehen können – jetzt ist „Endlich wieder Krieg“!

Aber bleiben wir noch kurz bei Zugezogen Maskulin. Der Niedersachse grim104 beeindruckte mit seiner selbstbetitelten EP schon namhafte Non-Hiphopper wie Thees Uhlmann oder das Hamburger Label Buback, das die Veröffentlichung übernahm. Sein Kumpane Testo brachte zur selben Zeit „Töte deine Helden“ heraus. Dem voran ging aber bereits die Gründung des Duos. Nach Kool Savas‘ Westberlin Maskulin und Flers Südberlin Maskulin war der persiflierende Crewname schnell gefunden und das Mixtape „Kauft nicht bei Zugezogenen!“ wurde ins Netz gestellt. Und mit „Alles brennt“ sollen am 13. Februar nächsten Jahres die Gehversuche beendet und bestenfalls eine größere Hörerschaft erobert werden, wie es den ZM-Kumpels der Antilopen Gang zuletzt mit „Aversion“ gelang.

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Und um dort anzugelangen machen grim104 und Testo auf der zweiten Videoauskopplung Nägel mit Köpfen: Sie schmeißen die Trap-Maschine an und starten ihre nihilistische Kampfansage gegen die schöne, bunte Welt mit surrealen Computeranimationen und Zeilen wie diesen:

Es ist endlich wieder Krieg, vom Berghain an die Front, Kids! Erst wird geballert,dann wird gebombt. Die lila Wolken sind verschwunden im Fauchen der Turbinen. Tausend Roboter, rauchende Ruinen.“

Dass besonders grim104 diese kafkaeske, dystopische Erzählweise liegt, bewies er bereits auf seinem letzten Solowerk in Stücken wie „Frosch“. Und auch Testo hat nicht weniger Bock auf Hashtag WW3 und gibt F.R. nochmal eine mit, denn Krieg braucht kein Abitur. Und wer im Kriegs-Kontext von Public Viewing auf der Fanmeile und Kämpfen und Siegen rappt, wird zwar all die deutschtümelnden Fussifans vergrault haben, aber alle anderen überzeugen: Was ZM hier bieten, ist allererste Güteklasse und braucht sich vor niemandem zu verstecken. Cooking Dance-Flows mit Lyrics wie „Wir drehen den Swag auf, vom Maaß bis an die Memel“? So geht Subversivität heute. Zugezogen Maskulin sind voll am Puls der Zeit und schneiden ihm die Schlagader auf.

Die Rapwelt würde sagen: Rrrrrasiert. ZM würden vielleicht lieber sagen: Sssskalpiert.

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