Bild: Screenshot YouTube / Canal KondZilla

Manche haben es mitbekommen: Ich war nun zwei Monate in Brasilien. Natürlich wurde der ein oder andere Caipirinha geschlürft, aber auch ganz viel Musik habe ich in der Zeit gehört. Ein paar der Künstler, die mich die letzten 9 Wochen begleiteten, möchte ich euch hier einmal präsentieren.

Zum Beispiel habe ich das neue Album von Käptn & Die Tentakeln von Delphi gehört. „Das Nullte Kapitel“ heißt das gute Stück und macht verdammt Laune. Um eine Review schreiben zu können, bräuchte ich vermutlich nochmal weitere zwei Monate. Und ein Philosophie-Studium. Es gibt zu viele Zeilen, die man erst beim zweiten oder gar dritten Hören so richtig versteht. Insofern es denn etwas zu verstehen gibt. Manchmal ist das auch einfach Unsinn. Glaube ich. Jedenfalls ist das Album verdammt tanzbar und funky.

Apropos funky. Funk ist hier in Brasilien das ganz große Ding. Ne, nicht so George Clinton-mäßig. Und mit dem Sound, der Anfang der 2000er schon einmal in Europa Erfolg hatte, hat das auch nicht mehr viel zu tun. Man benötigt schon eine gewisse YOLO-Einstellung oder zumindest ein paar von diesen eisgekühlten Brahma-Bieren, um das zu feiern. Aber wenn die Songs von MC Kevinho oder MC Levinho oder jedem anderen Künstler mit MC vor seinem Namen aus den Boxen tönen, ist jede Party auf ihrem Zenit angelangt.

Natürlich habe ich nicht nur das High-Life genossen, sondern auch regelmäßig das Fitnessstudio besucht – erfolgreich, möchte ich dazusagen. Während im Studio selbst in erster Linie Elektro-Gedöns gespielt wurde, habe ich mich mit dem neuesten Vado-Mixtape „Vado Sinatra 2“ über Wasser und die Kurzhanteln in gelenkschonender Stellung gehalten. Der zu DJ Khaleds We The Best-Clique gehörige Dipset-Affiliate erfindet Rap zwar nicht neu auf den 13 Songs, bringt aber einen düsteren und verdammt kohärenten Sound, der einen auch in lauen brasilianischen Herbst-Nächten in das raue Harlem schickt.

Gleich um die Ecke ist vor guten 45 Jahren auch der später als The Notorious B.I.G. bekannt gewordene Christopher Wallace geboren wurden. Nun gibt es nicht das nächste unnötige posthum-veröffentlichte Solo-Album, sondern ein Kollabo-Projekt mit Faith Evans. Oder so. Jedenfalls hat Wallaces Witwe vor kurzem das Album „The King & I“ veröffentlicht.

Darauf zu hören sind einige Parts von Biggie, die in die neuen Songs eingewebt wurden und dort tatsächlich aufgehen und einen Sinn erfüllen. Dazu kommen sensationell unaufgeregte Produktionen von Leuten wie DJ Premier, Just Blaze oder Salaam Remi, die den NYC-Sound der Neunziger gekonnt ins Jetzt projizieren. Tolles Projekt, nicht nur für Fans von Biggie.

Neben so viel Realgekeepe gab es auch brasilianischen Herzschmerz in Form des Hits „Você Partiu Meu Coração“ von Nego do Borel – da kann „Despacito“ gar nichts gegen. Aber smoothes gab es auch von Smino aus St. Louis. Sein Album „BLKSWN“ habe ich erst vor einigen Wochen entdeckt, obwohl es bereits seit März erhältlich ist. Was für ein genial heruntergeschraubter HipHop-Ansatz für 2017. Nicht zu unrecht heißer Anwärter auf die vorderen Plätze der Jahresbestenlisten.

So weit so gut. Ich könnte noch endlos weitermachen. Drake? Klar. Kendrick Lamar? Immer. Genauso wie Blut und Kasse, Dom Kennedy, Freddie Gibbs, Fayzen oder Tuxedo. Jetzt wird aber erstmal wieder der deutsche Sommer genossen. In der Uni. Dankeschön.

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