Es gibt Momente in denen mir schlagartig bewusst wird, wie alt ich bin. Zum Beispiel, als ich vor wenigen Tagen das Video zur neuen Single „immer wenn ich regne…“ von B.seite sah, und dachte: „Den kennst’e doch!“. 2010 nämlich erschien der dritte Teil der Netzwerke-Sampler, auf dem unter anderem auch ein gewisser Knopf seine Finger im Spiel hatte. Und der wiederum rappt nun als Frontmann von B.seite. Verdammt!

Sieben Jahre also ist das her, aber von den guten alten Zeiten mag ich nicht sprechen. Neben illustren Gästen wie Umse, Creme Fresh oder auch Main Moe sind einige der an den Netzwerke-Samplern beteiligten Künstler auch wieder zurecht in der Versenkung verschwunden. Umso schöner ist es, dass Knopf, beziehungsweise B.seite, immer noch Musik machen, und das auch noch ausgesprochen gut.

Mit „kartenhaus“ ist nun ein Debüt-Album der Band erschienen. Band bedeutet: Drums, Bass, Gitarre und Keys. Und Rap. Irgendwo ziemlich erwachsen. Der Sound bewegt sich zwischen Jazz, Soul und Hip-Hop. A Tribe Called Quest, The Roots, J. Dilla. Ich bin mir sicher, dass die Protagonisten auch die ein oder andere Platte von J. Rawls ihr eigen nennen. Gerade auf Songs wie „schon gemacht“, auf denen sich die Drums förmlich überschlagen im Refrain, geht das Konzept vollends auf.

Knopf rappt über dieses hügelige Terrain souverän und lässig. Fettnäpfchen werden gekonnt umgangen und stattdessen die eigenen Trumpfe ausgespielt. Er ist kein Newcomer mehr und man mag es nicht Resignation nennen, aber eine gewisse Grundhaltung lässt sich stets heraushören. Es geht um den Alltag, um Träume und um das bereits Erlebte.

Auf „immer wenn ich regne…“ lässt Knopf seinen eigenen Werdegang mit Hilfe einiger Referenzen Revue passieren: „Wir kommen aus einer Zeit, als Acapellas auf den Singles waren“. Manche Textzeile kommt einem bekannt vor, bis schließlich der Groschen fällt und einem der zugehörige Track von EinsZwo, Deichkind oder anderen Größen des Deutsch-Raps einfällt. Ganz stark umgesetzt.

Ich stelle fest, dass ich anscheinend im selben Maße gealtert bin wie Knopf selbst. Obwohl ich hoffe, dass mir dieser noch einige Jahre voraus ist. Dennoch finde ich mich wieder in den Songs – sowohl textlich als auch musikalisch. War ja schon auch ganz schön früher… Aber heute ist definitiv auch ganz geil. Nachzuhören auf „kartenhaus“!

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